
| Meistens kommt Angstmacherei zum Zuge, wenn Anhänger gewisse Dogmen
in Frage stellen. Versprechen oder Gelübde werden Negativ
formuliert, sodass in Erinnerung an das Versprechen jenes ins
Bewusstsein tritt, was man nicht machen sollte. Dadurch wird das
Bewusstsein jedoch mit der Negation verbunden und angezogen. Es folgt
die Angst, das Versprechen nicht einhalten zu können. Schuldgefühle nach
gebrochenem Gelübde können Menschen in emotionale Notlagen bringen und
zu selbstzerstörerischen Handlungen verleiten.
Es ist immer das Kollektiv einer Gemeinschaft, die Machtmissbrauch und Manipulation durch Angst toleriert oder ignoriert. Der Reifegrad der Individuen einer Gemeinschaft kann man indirekt daran messen. Die vedischen Schriften betonen die Wichtigkeit der Gemeinschaft mit Spiritualisten, die in direkter Verbundenheit mit Krishna stehen (sadhu sanga). In solcher Gemeinschaft sollte Harmonie und Toleranz eine Selbstverständlichkeit sein. Es ist für die eigene Entwicklung auf dem Weg zu Gott förderlich, organisierte Religionen aus diesem Blickwinkel zu betrachten und bei beobachteten Unstimmigkeiten eine gesunde Distanz zu wahren. Interessant ist ebenfalls, dass vor Beginn des Kali-Yugas keine Religionsgemeinschaften existierten, da die Spiritualisten zu dieser Zeit in Ihrer direkten Verbundenheit mit Gott keine zusätzliche Verbindung mit einer Religionssgemeinschaft brauchten. Sie lebten ein individuelles Leben in Unabhängigkeit und frei von äusseren Beeinflusssung. So war es auch möglich in dieser Zeit, dass sich die grossen Könige mit ihren Anliegen / Problemen vertrauensvoll an Spiritualisten (echte Brahmanas) richten konnten. |
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