
(Thema Irrwege und Umwege)
Illusionen sind in unserer Welt der Normalzustand, nicht die
Ausnahme. Jeder hat seinen "Filter" der Realität, die Ego-Brille mit
persönlich gefärbten Gläsern. Zu einem gewissen Mass sieht jeder nur
das, was er gewohnt ist zu sehen oder was er sehen möchte (Resonanzgesetz).
Doch selbst wenn man die Welt der manifestierten Materie ohne Filter
wahrnehmen würde, müsste man erkennen, dass diese auch ohne Filter eine
relative Realität ist. Relativ deshalb, weil sie vergänglich ist. Die
Realität von heute ist die Vergangenheit von Morgen und somit nicht mehr
existent.
Auf dem Weg zu Krishna geht es unter anderem darum, relative
Realitäten als zeitweilige Illusionen zu erkennen und sich der
unvergänglichen transzendentalen Realität Krishnas Schritt für Schritt
wieder zu nähern.
Dazu sollte man jedoch vorsichtig reflektiert, ob die eigene Wahrnehmung auch
tatsächlich die Transzendenz erfasste, oder ob die Wahrnehmung ein
Konstrukt des eigenen Geistes (manas) ist.
Die Heiligen der Vaisnava-Kultur geben eine bildliche Analogie.
Jemand will Dir helfen, den Mond am Himmel zu finden: "schau hier oben im
Baum über dem rechten dicken Ast siehst Du den Mond!". Genauso können
Dir heilige Schriften, oder weise Transzendentalisten zeigen, wohin Dein
Fokus gerichtet werden muss, um Gott, Krishna zu erkennen.
Den leuchtenden Mond jedoch muss man selber sehen! Wer in die Äste
schaut und die Äste für den Mond hält, irrt sich.
Genauso sollte man nicht die poetischen Worte heiliger Schriften oder
angesehener Heiliger für die Transzendenz, die spirituelle Realität
selber halten. Die Worte enthalten grundsätzlich immer noch unsere
persönlichen Assoziationen zu dieser Welt. Wir müssen genauso wie wir
den Mond selber erkennen müssen, auch Krishna selber wahrnehmen und
erleben.
Die persönliche Wahrnehmung Krishnas und der liebevolle
Austausch zwischen uns Seelen und Gott ist die spirituelle Realität. Wer
sich für spirituell fortgeschritten hält, jedoch seine Wahrnehmungen
lediglich um den "Filter" der Konzepte heiliger Schriften erweitert,
befindet sich potentiell auf dem Irrweg der "spirituellen" Illusionen.
Bei Menschen mit Anfälligkeit auf psychische Erkrankungen können
spirituelle Illusionen pathologische Formen annehmen.
Menschen in "spirituellen" Illusionen sind oft stark gefangen in Ihren
eigenen Denkmustern und von aussen kaum zu beeinflussen, da oft die
Neigung zur ehrlichen Selbstkritik fehlt, und äussere Anstösse zur
Selbstkritik lediglich eine starke Abwehrreaktion auslösen.